Spezifikum des Uhus (Bubo bubo) – wie der Eulen überhaupt – ist ihre Dämmerungs- und Nachtaktivität.
Tagsüber wäre der Uhu ein schlechter Jäger. In seiner Manövrierfähigkeit im Flug ist er vielen anderen Vögel weit unterlegen.
Nicht so bei Dämmerung und in der Nacht. Insbesondere sein Gefieder, sein Gesichts– und sein Gehörsinn machen ihn zum wahren Spezialisten für die Jagd bei wenig Licht:
Die Federn des Uhus sind weich und dämpfend und ermöglichen so einen nahezu geräuschlosen Flug.
Darin unterscheidet er sich von den meisten anderen Vögeln – vgl. etwa die Kolkraben aus meinem Beitrag im Monat Januar. Der Uhu kann sich nahezu geräuschlos seiner Beute – zumeist von hinten – nähern und auch während des Flugs das Gehör zum Aufspüren von Beute und zur Navigation nutzen.
Bemerkenswert ist, dass die Füße sowie die Augenlieder des Uhus befiedert sind.
Fußbefiederung bedeckt die Laufzehen und oft auch Teile der Unterschenkel. Sie dient zur Wärmeisolierung und unterstützt den lautlosen Flug. Die Lidfedern sind Teil der allgemeinen Gesichtsbefiederung und dienen wesentlich dem Schutz der Augen, der Dämpfung des Lichts und der Tarnung.
(Informationen zu den nachfolgenden Videoaufnahmen siehe Fußnote 1)
Die Augen des Uhus sind groß und röhrenförmig (nicht kugelig). Sie ermöglichen eine hohe Lichtempfindlichkeit sowie eine gute Sehschärfe und Tiefenwahrnehmung im Nahfeld und bei mittleren Entfernungen.
Da seine Augen nach vorne ausgerichtet sind und nicht gerollt werden können, erfolgt die Blickbewegung überwiegend durch Drehen des Kopfes.
Der Uhu kann seinen Kopf um bis zu 270° drehen.
Das Gehör des Uhus ist hochspezialisiert und weist mehrere auffällige Merkmale auf:
- Hohe Empfindlichkeit: Uhus können sehr leise Geräusche wahrnehmen. Dies ist sehr wichtig für das Aufspüren von Beute (z. B. kleine Säuger) im Dunkeln.
- Richtungsortung: Durch minimale Laufzeit- und Pegeldifferenzen zwischen den Ohren können sie die Richtung einer Schallquelle genau bestimmen.
- Asymmetrische Ohren: Bei vielen Eulenarten sind die Ohröffnungen auf unterschiedlicher Höhe angeordnet. Beim Uhu ist diese Asymmetrie weniger stark ausgeprägt, aber dennoch hinreichend gegeben, um die Vertikallokalisierung zu verbessern.
- Gefiederunterstützung: Gesichtsscheibe und Federn um das Gesicht bündeln Schall ähnlich einem Trichter und lenken diesen zu den Ohröffnungen.
- Breites Frequenzspektrum: Uhus können Geräusche über ein breites Frequenzspektrum wahrnehmen, insbesondere jene Frequenzen, die von Beutetieren erzeugt werden.
- Gute Geräuschdiskrimination: Uhus können relevante Beutegeräusche von Hintergrund- und Fluggeräuschen unterscheiden, was ihre Jagdeffizienz steigert.
Die sogenannten Federohren dienen übrigens nicht dem Hören.
Vielmehr dienen sie der Kommunikation – Aufrichten und Anlegen signalisiert Stimmungen wie Aufmerksamkeit, Aggression oder Alarm – , der Tarnung – sie brechen die Kopfkontur und verschleiern dadurch etwas die Silhouette – sowie als Imponierverhalten bei Droh- oder Verteidigungsgebaren.
Die Lautäußerungen des Uhus sind vielfältiger, als man denkt.
In den wenigsten Fällen bekommen wir Menschen einen frei lebenden Uhu zu Gesicht. Viel wahrscheinlicher ist es da schon, einen zu Gehör zu bekommen. Dabei könnte es durchaus passieren, dass wir Lautäußerungen missdeuten. Denn die Vielfalt seiner Lautäußerungen gehen über den für die deutschsprachige Bezeichnung „Uhu“ namensgebenden JuJu-Ruf weit hinaus. Anhand von Hörbeispielen sollen diese nachfolgend didaktisch fortschreitend aufgeführt werden.
(Informationen zu den Tonaufnahmen siehe Fußnote 2)
Balz– oder Territorialrufe
Der zur JuJu-Familie zählende Ruf ist der wohl bekannteste und eindeutigste Ruf des Uhus. Beide Geschlechter stoßen ihn aus, wobei er beim adulten Männchen tiefer und voluminöser, beim Weibchen leicht höher und kürzer klingt. Einzeln vorgetragen dient er u.a. zur Revierabgrenzung (Männchen) und zur Kontaktaufnahme mit der Partnerin/dem Partner, im Duett vorgetragen zur Balz.
Nachfolgend einige Tonbeispiele:
- Balzruf des Männchens (tiefer und voluminöser)
- weibliche Form (leicht höher und kürzer)
- JuJu-Duett
Bettelrufe
Nicht nur junge Uhus stoßen oft stundenlang Bettelrufe aus, um Nahrung von Ihren Eltern zu erhalten. Auch weibliche Uhus tut dies, vornehmlich während der Balz. Die „Hochzeitsgeschenke“ des Männchens in Form von Beutetieren sind wesentlich dafür verantwortlich, ob und wieviel Eier das Weibchen in der Folge legt.
Dieser einsilbige Paarungs-/Bettelruf des Weibchens besteht aus einem kurzen und scharfen Hu. Nachfolgend zwei Hörbeispiele:
- Paarungs-/Bettelruf (Hu) des Weibchens einzeln
- Duett zwischen balzendem Männchen und bettelndem Weibchen
Dugge-Dug-Rufe
Die der Dugge-Dug-Familie zuzuordnenden seriellen Rufe dienen der intimen Verständigung im Nahbereich. Beide Geschlechter können sie ausstoßen, weshalb die intuitive Zuordnung oft nur schwer möglich, insbesondere wenn beide nahe beieinander sitzen.
Nachfolgend drei Hörbeispiele:
- Paarrufe und dugge-dug-Rufe, die ich dem Männchen zuordnen würde
- Duett und dugge-dug-Rufe, die ich dem Weibchen zuordnen würde
- JuJu-Duett und Dugge-Dug-Rufe bei Dämmerung mit Vogelgezwitscher
Kopulation
Im Rahmen der Kopulation stoßen Uhus oft viele der bisher beschriebenen Laute aus. In der Regel erfolgt die Annäherung durch ein Duett mit juju– bzw. hu-Rufen (nur Weibchen) statt. Rufe der dugge-dug-Familie umrahmen zumeist die eigentliche Kopulation. Diese wird durch ein Schirken verbalisiert, welches aus alternierend-pfeifenden Lauten besteht. Dass dieses Schirken durch das Weibchen hervorgebracht wird, war bisher common sens, eine neuere Publikation (siehe Fußnote 3) spricht sie hingegen dem Männchen zu.
Nachfolgend zwei Hörbeispiele von Kopulationen:
- Bei dieser Kopulation würde ich das Schirken dem Weibchen zusprechen.
- Eine längere, zusammenhängende Aufnahme mit JuJu– (Männchen) und Hu-Rufen (Weibchen) zumeist im Duett, unterschiedlichen Dugge-Dug-Rufen (Männchen?) und Schirken (Männchen?) während der Kopulation.
Droh– und Warnrufe
Das sogenannte Teufelslachen ist ein lauter Droh– bzw. Warnruf, der wohl zur Einschüchterung von Eindringlingen dient und von beiden Geschlechtern ausgestoßen werden kann. Es ist ein eher seltener Ruf, umso erstaunlicher, dass ich ihn bei meinen Aufnahmen sogar zweimal einfangen konnte.
Das Fauchen ist eine Warnung/Abwehr gegenüber Fressfeinden oder Eindringlingen bzw. ein Ruf der Aggression/Erregung bei Stress oder unmittelbarer Bedrohung.
Das Schnabelklappern ist ein eher selten eingesetztes Drohverhalten zur Abschreckung gegenüber Fressfeinden oder Rivalen, kann aber auch Bestandteil sozialer Interaktion sein.
Nachfolgend drei Hörbeispiele
- Teufelslachen des Männchens
- Teufelslachen des Männchens
- Fauchen (zur Herkunft siehe Fußnote 2)
Tagsüber werden Uhus von anderen Vögeln „gehasst“
Während der Uhu nachts unter den Vögeln der unumstrittene „König“ ist, wird er tagsüber von anderen Vögeln gesucht und „gehasst“. Am aufgelassenen Steinbruch in Horb-Talheim etwa kann man dies immer wieder eindrucksvoll beobachten, wenn etwa Kolkraben, Krähen oder andere Greifvögel die Felswand abfliegen auf der Suche nach den dortigen Uhus. Da kommt dem Uhu die Färbung und Musterung seines Gefieders zugute, die ihn in der Felslandschaft fast unsichtbar machen.
Nachfolgend eine teils fiktive Szene von Kolkraben auf der Suche nach den Uhus im aufgelassenen Talheimer Steinbruch. („Statist“: siehe Fußnote 1)
Entstehung des Bilds „Uhu im Mondschein“ aus dem Kalender
Dieses Bild zeigt das Uhu-Männchen aus dem aufgelassenen Steinbruch in Horb-Talheim. Entstanden ist es am 1. Februar 2025 kurz nach 18:00 Uhr. Die Sonne war schon 40 Minuten untergegangen, das Glockengeläut in vollem Gange und ich dabei, die absteigende Mondsichel in Großaufnahme zu filmen.
Da begann plötzlich das erste Duett des Abends zwischen dem JuJu-rufenden Männchen und dem Hu-antwortenden Weibchen. Ihre Positionen konnte ich erst nicht ausmachen. Dann sah ich das Männchen den Steinbruch überqueren und es fand die erste Kopulation des Abends statt.
Nach der Kopulation flog das Männchen an eine für mich sehr günstige Stelle in der Wand des Steinbruchs, sodass seine Silhouette gegen den Abendhimmel schön zur Geltung kam. Ich brauchte nur meine Kamera auf dem Stativ vom Mond weg etwas nach rechts zu schwenken, und weil Uhus sich im Sitzen nicht recht viel bewegen, konnte ich mit einer langen Verschlusszeit von 1/15 Sekunde diese Aufnahme machen.
Einen Versuch, den Mond mit ins Bild zu bekommen, hätte ich gerne unternommen. Von meiner Position aus war dies aber leider nicht möglich. Weil diese Begegnung mit dem Uhu aber für mich untrennbar mit dem Mond zusammenhing – sonst wäre ich gar nicht mehr an der Stelle gewesen und hätte die Sichtung auch nicht gemacht -, habe ich mich entschieden, einen Mond in das Bild hinein zu retuschieren.
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE)
Wer Interesse hat, das Verhalten von Uhus – bequem von zu Hause aus – zu studieren, dem sei die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. wärmstens empfohlen. Diese unterhält im Ahrtal in Rheinland-Pfalz unter anderem in einer alten Burgruine mehrere Webcams und bietet nicht nur auf ihrer Homepage Livestreams zu dem dortigen Uhu-Brutpaar „Tristan und Isolde“ an, sondern auf ihrem YouTube-Kanal auch regelmäßige Videohighlights mit Erklärungen. Letztes Jahr konnte man so z.B. die Brut und Aufzucht von vier Junguhus hautnah miterleben und verwundert feststellen, dass sich eine Nilgansfamilie in derselben Ruine nicht von den Uhus vertreiben ließ.
Nachfolgend die entsprechenden Links:
Homepage der EGE: https://egeeulen.de/
Uhu-Webcams der EGE: https://egeeulen.de/uhu-webcams/
YouTube-Kanal mit regelmäßigen Video-Highlights der EGE: https://www.youtube.com/@ege-eulen
(1) Alle Nahaufnahmen in diesem Beitrag zeigen den Uhu Anton. Dieses war mit anderen Uhus für ein Auswilderungsprojekt vorgesehen, wurde dann aber aufgrund seiner etwas schmächtigen Statur als wenig geeignet dafür angesehen. Seit über vierzig Jahren lebt er nun schon bei Martin Hirsch in Blieskastel-Alschbach, der dort eine Vogelauffang- und Pflegestation betreibt. Teile unseres Zwiegesprächs während der Videoaufnahmen habe ich mit eingeblendet.
(2) Alle Tonaufnahmen sind im aufgelassenen Steinbruch in Horb-Talheim verteilt zwischen dem 21.1. und 10.3.2025 während insgesamt sieben Nächten (und Tagen) entstanden. Die tropfenden Geräusche im Hintergrund rühren vom Wasser her, das die Felswand herunterrinnt. Einzig die Aufnahme des Fauchens entstand beiläufig während der Videoaufnahmen mit Uhu Anton.
(3) Christian Harms, Überhört, unbeachtet, unterschätzt – über die tages- und jahreszeitliche Rufaktivität eines Uhu-Weibchens Bubo bubo im gesamten Jahresverlauf, in: Ornithologischer Beobachter 122, 2025, S. 59 rechte Spalte
(https://www.ala-schweiz.ch/images/stories/pdf/ob/2025_122/OrnitholBeob_2025_122_44_Harms.pdf)





